Als ich mich das erste Mal intensiver mit Hedonismus beschäftigte, dachte ich noch, „na gut, endlich eine Erklärung für meine persönliche Weltsicht, aber was jetzt? Hat es irgendeine Konsequenz, wenn man Hedonist ist?“

Mit der Zeit ist mir immer mehr aufgefallen.

  1. Hedonisten sind weltoffen. Wir diskriminieren niemanden. Wir sind keine Nationalisten
  2. Hedonisten sind im positiven Sinne unreligiös. Wir müssen keinen ermorden, nur weil er nicht an unseren Gott glaubt (wir haben ja gar keinen).
  3. Hedonisten haben ein Ziel für unsere Gesellschaft: das Glück aller ist für uns das Wichtigste.

Dieser letzte Punkt ist aus meiner Sicht so wichtig, dass er in die Verfassung gehört.

So weit ich weiß, ist Bhutan das einzige Land auf der Welt, wo Glück einen Verfassungsrang hat. (Wikipedia )

Wenn wir uns als Hedonisten das auf der Zunge zergehen lassen, ist es eigentlich absurd. Wenn die anderen Staaten nicht das Glück der Menschen als Ziel haben, was für ein Ziel verfolgen sie dann?

Vielleicht ist es aber auch unwichtig, ob Glück in unserer Verfassung steht oder nicht, oder? Nein, denn dann wäre alles was in der Verfassung steht unwichtig. Wir sollten unsere Verfassung in jeder Hinsicht ernst nehmen. Auch wenn es manchmal abgehoben und esoterisch erscheint: unsere Verfassung bestimmt unser Leben. In der deutschen Verfassung ist „Glück“ maximal indirekt beschrieben: über Freiheit, Menschenwürde, etc..

Warum sind die Politiker so zurückhaltend? Ist es so verwerflich, wenn ein Staat seine Bürger glücklich sehen will? Anscheinend ja. Glück auf Erden, statt im Himmel? Vielleicht sind wir christlicher geprägt, als wir wahrhaben wollen.

Wäre das Glück der Menschen ein Staatsziel, dann wäre es einklagbar. Die Politik müsste sich danach ausrichten, was uns glücklich macht. Dies könnte dramatische Veränderungen nach sich vollziehen. Vergegenwärtigen wir uns nur, dass wir in einem sehr reichen Land leben und sehr viele Menschen trotzdem unglücklich sind.

Was wäre, wenn die Politik sich nicht mehr auf das Wirtschaftswachstum, sondern auf das Glückswachstum konzentrieren müsste? Kennt ihr ein Unternehmen, dass sein Geld damit  verdient, Menschen glücklich zu machen, also nicht nur das zu versprechen, sondern es tatsächlich zu tun: „Sie waren unglücklich in ihrem Urlaub? Geld zurück! Der Kredit unserer Bank hat ihr Leben zerstört? Sorry, wir machen alles wieder gut! Unser Alkohol hat sie ihre Familie gekostet? Wir kümmern uns!“

Die Wahrheit ist, es gibt keine Produkte, die uns glücklich machen. Unsere Politik ist auf das Wohl unserer Wirtschaft gerichtet, weil man Wirtschaft besser messen kann, als Glück.

Aber hat schon Mal eine deutsche Regierung ernsthaft versucht, herauszufinden, was die Deutschen glücklich macht?